Wie sich Freundschaften verändern
Freundschaften verändern sich. Das tun sie immer. Aber seit ich im Rollstuhl sitze, verändern sie sich auf eine ganz eigene Weise. Nicht plötzlich. Nicht laut. Sondern leise. In kleinen Momenten. In abgesagten Treffen. In neuen Fragen. In Unsicherheiten auf beiden Seiten.
Einige Freundschaften sind tiefer geworden. Weil Gespräche ehrlicher wurden. Weil Nähe nicht mehr selbstverständlich ist, sondern bewusster. Andere sind stiller geworden. Nicht aus bösem Willen. Sondern weil Alltag komplizierter wurde und Spontanität plötzlich Planung braucht.
Manche wissen nicht, was sie sagen sollen. Andere sagen zu viel. Zwischen „Sag einfach Bescheid, wenn du was brauchst“ und „Ich wollte dich nicht belasten“ liegt ein ganzes Minenfeld aus Unsicherheit.
Ich habe gelernt: Freundschaft bedeutet jetzt manchmal, Dinge zu erklären, die früher niemand erklären musste. Warum ich nicht überall mitkann. Warum ich früher gehe. Warum ich heute einfach müde bin.
Aber ich habe auch gelernt: Gute Freundschaften passen sich an. Sie fragen nicht nur, ob ich komme – sondern wie. Sie ändern nicht mich, sondern den Ort. Sie sehen nicht zuerst den Rollstuhl, sondern mich.
Es gibt auch komische Momente. Humor hilft, und zwar sehr. Über Situationen lachen zu können, nimmt ihnen die Schwere. Und manchmal auch die Peinlichkeit.
Nicht jede Freundschaft bleibt. Und das ist kein Drama. Manche gehören zu einem früheren Kapitel. Andere wachsen in dieses neue hinein. Und wieder andere überraschen mich, weil sie plötzlich viel näher sind als gedacht.
Heute weiß ich: Freundschaft ist nicht, wer bleibt, weil es einfach ist. Sondern wer bleibt, auch wenn es sich verändert und nicht immer leicht mit mir ist.
Und vielleicht ist das die größte Veränderung von allen: Dass ich Freundschaft heute bewusster sehe. Nicht als Selbstverständlichkeit. Sondern als etwas, das mitwächst. Mit mir. Mit meinem Leben. Mit meinem Rollstuhl. Und mit all dem, was dazwischen liegt.