Warum meine Handtasche bei jedem Ausflug dabei ist
Meine Handtasche ist nicht nur ein Modeaccessoire. Sie ist ein kleines Überlebenspaket. Und manchmal auch ein Schutzschild. Am wichtigsten ist das Katheter-Material, das immer in mehrfacher Ausführung eingepackt ist. Denn eine normale Toilette kann ich nicht benutzen, und meine Blase meldet sich auch nicht höflich an, bevor sie sich entleeren muss. Wenn ich unterwegs bin, brauche ich Vorbereitung. Das ist mein neues Normal.
Aber meine Handtasche hat noch eine zweite, sehr private Aufgabe: Sie verdeckt meinen Bauch.
Früher hatte ich Bauchmuskeln. Zehn Jahre Sport hinterlassen Spuren – gute. Danach hinterließ der Unfall andere, bis heute. Seitdem fehlen mir diese Muskeln. Mein Bauch hängt anders. Er sieht aus, als wäre ich dicker geworden, obwohl ich es nicht bin. Und ja: Das ist mir unangenehm. Nicht, weil mein Körper falsch ist. Sondern weil er sich nicht mehr so anfühlt wie der von früher.
Wenn ich sitze, verändert sich alles. Kleidung fällt anders. Spiegel und Fotos sind ehrlicher, als man möchte. Und manchmal wünsche ich mir einfach, dass niemand so genau hinschaut.
Meine Handtasche hilft mir dabei. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus Selbstschutz. Sie liegt da, wo früher meine Spannung war. Sie gibt mir ein kleines Stück Kontrolle über einen Körper, der sich nicht immer kontrollierbar anfühlt.

Es ist seltsam, wie sehr sich Dinge verschieben. Früher habe ich mir Gedanken gemacht, welche Klamotten passen. Heute denke ich: Passt meine Tasche so, dass ich mich wohler fühle?
Manchmal finde ich das absurd. Ich bin querschnittgelähmt. Und trotzdem beschäftigt mich mein Bauch. Oder vielleicht gerade deswegen. Denn Behinderung macht nicht immun gegen Unsicherheit. Sie ersetzt sie nur durch neue.
Ich habe mit der Zeit gelernt, freundlicher auf meinen Körper zu schauen. Er hat viel verloren – aber auch viel ausgehalten. Er trägt mich durch Tage, die nicht leicht sind. Auch ohne Bauchmuskeln.
Vielleicht wird meine Handtasche irgendwann nur noch Tasche sein. Und nicht mehr Versteck. Bis dahin darf sie beides sein: Praktisch. Und ein kleines bisschen Rüstung. Und wenn ich ehrlich bin: Sie steht mir eigentlich ganz gut.